Beinahe jeder Mensch kann eine lustige, traurige oder auch ganz ungewöhnliche Geschichte über Immobilien erzählen. So sind Immobilien zwar zu keinerlei menschlichen Beziehungen, geschweige denn zu irgend einem Verhalten, fähig und dennoch können sie für ganz unterschiedliche Erlebnisse sorgen.
Eines solcher Erlebnisse ist meine erste eigene Wohnung. Vor gut 15 Jahren bezog ich sie mit zwei anderen Mitbewohnern, die ich aus gemeinsamer Universitätszeit kannte. Um uns auf eine eventuelle Wohnung zu einigen, waren eigentlich keinerlei besondere Aspekte der Immobilie für irgendeinen von uns besonders bedeutsam. So entschlossen wir uns – zu Gunsten unserer sehr schmalen Geldbeutel – für eine kleine Studenten WG in einem gut zehnstöckigem Hochhaus mitten in der Innenstadt. Doch was die eingesparten DM uns noch nicht verrieten, waren die etlichen Eigenschaften dieser unglaublich preiswerten Wohnung.
So fing schon der Umzug nicht allzu vielsprechend an. Um die diversen Möbel und Kartons in die Wohnung zu schleppen, sollte uns eigentlich ein Aufzug dienen. Doch seltsamerweise war dieser genau zu dem Zeitpunkt des Einzugs “defekt”. Es stellte sich heraus, das dieser wohl zu 90% im gesamten Jahr “defekt” war, bis er schließlich von einem Techniker repariert wurde, einen Monat seine Dienste tat und schließlich mit einem Pechvogel zwischen zwei Stockwerken stecken blieb.
Doch damit nicht genug: die eingebaute und vom Vormieter “freundlicherweise” überlassene Küche erwies sich als ebenso unnütz. Die Einstellungen des Herdes waren zum Beispiel völlig falsch justiert. So konnte es sein, das plötzlich ein auf dem Herd stehender Wassertopf bei Stufe 1 in Sekunden überquoll, da die Herdplatte sich schließlich wie die, einer auf Stufe 12 stehenden Platte erhitzte. Das Kochen fiel für uns somit ebenfalls aus.
Ein weiterer und verrückter Punkt der Wohnung waren die Waschmaschinen: für gut 50 Pfennig konnte man seine Wäsche in einer der Maschinen “reinigen”. Dies tat jeder von uns genau einmal. Denn die Kleidung kam nicht nur dreckiger, sondern auch um einiges kleiner und teilweise farblich vermischt wieder heraus.
Alles in allem war meine erste Wohnung also eine äußerst verrückte Unterkunft. Doch dank der typischen Studenten-Lässigkeit wurde über die diversen Vorkommnisse in der WG lediglich gelacht und nicht geweint.

Karsten W. Ex-Student aus K.