Eingesendet von Martin. M.
Seit Monaten war ich auf der Suche nach einem Haus, doch alle Objekte, die ich mir angeschaut hatte, waren entweder zu groß, zu klein, zu teuer, zu baufällig oder zu weit außerhalb. So machte ich mir auch nicht besonders viele Hoffnungen, als ich die Anzeige in der Zeitung las: „Verkaufe Schmuckstück im Herzen der Stadt.“ Außer einer Telefonnummer gab es keine anderen Angaben. Ich rief an und hatte eine ältere Dame am Apparat, die mir die Straße nannte. Ihre Stimme klang traurig als sie sagte, dass es ihr schwer fiele, sich von ihrem Haus zu trennen, aber dass sie aus gesundheitlichen Gründen in ein Pflegeheim ziehen müsste.

Als ich durch die Straße fuhr, in der das Haus stand, hatte ich auf Anhieb ein gutes Gefühl, doch der Anblick des Hauses versetzte mir einen Schock. Der Putz von der Fassade war an mehreren Stellen abgebröckelt, die Fenstergläser waren milchig, die Holzrahmen marode, und das Dach schien mir auf den ersten Blick auch undicht zu sein. Als ich durch den verwilderten Garten ging, wollte ich eigentlich schon umdrehen, aber dann öffnete sich die Haustür und die ältere Frau schaute mich erwartungsvoll an. Sie bat mich herein und mir blieb nichts anderes übrig, als ihr zu folgen. Das Haus war vollgestellt mit Nippes, alten Gemälden und Platzdeckchen; die typische Einrichtung einer älteren Frau. Während ich durch die Räume geführt wurde, überkam mich immer mehr das Gefühl, dass ich mich hier wohlfühlen könnte. Ich betrachtete die alten, abgenutzten Dielen und stellte mir vor, wie das Haus aussehen könnte, wenn ich die Dielen abschleifen ließe. Die Zimmer waren behaglich und der Garten könnte tatsächlich mit ein wenig Arbeit zum Schmuckstück werden. Als die alte Frau mir den Preis nannte, den sie haben wollte, verschlug es mir die Sprache: Er lag weiter unter dem, was ich bereit war zu zahlen. Ich sagte sofort zu, das Haus kaufen zu wollen und dachte daran, dass ich als allererstes die hässlichen Stillleben entsorgen würde, ehe ich mich an die Renovierungsarbeiten machte.

Einige Wochen später, als ich mein Vorhaben in die Tat umsetzen wollte, hielt mich meine beste Freundin, die in einer Kunstgalerie arbeitete, glücklicherweise davon ab: Sie erkannte, dass die Bilder von einem mir unbekannten Künstler waren und vermutlich ein kleines Vermögen wert waren. Da ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren konnte, die ehemalige Eigentümerin in Unkenntnis zu lassen, rief ich im Pflegeheim an. Mir wurde mitgeteilt, dass die alte Dame mittlerweile gestorben war und es keine lebenden Verwandten gab. Somit war ich nicht nur Besitzerin eines schmucken Hauses, sondern auch von Bildern, durch die ich mir erstmal in finanzieller Sicht keine Sorgen mehr machen musste.