Ich weiß gar nicht mehr, weshalb ich mich entschied, meine Wohnung zu kündigen. Es könnte der nie beseitigte Schimmelbefall gewesen sein. Vielleicht waren es auch die Handwerker, die am Nachbarhaus arbeiteten und mich (wie auch jeden anderen Anwohner) mit einem fröhlichen „Halt die Schnauze“ bedachten, wenn man sie bat, nach 21 Uhr das Bohren einzustellen.

Jedenfalls zog ich die Reißleine und begab mich auf Wohnungssuche. Ich lebte in Köln und musste feststellen, dass es fast unmöglich war, eine Wohnung in meiner Preisklasse zu finden, die über Annehmlichkeiten wie Innenbadezimmer, Zentralheizung oder heißes Wasser verfügte.

Dann schlug das Schicksal zu. Ich verließ nach einer weiteren ergebnislosen Besichtigung ein Hochhaus und wollte gerade zur S-Bahn, als mich ein Mann im grauen Anzug ansprach. „Sind Sie Herr Schneider?“ wollte er wissen. Der war ich zwar nicht, aber aus irgendeinem Grund antwortete ich: „Derselbige.“ Die Augen des Fremden leuchteten. „Dann kann die Besichtigung ja beginnen“, sprach der etwa 50-Jährige und führte mich in das benachbarte Gebäude.

Dort fuhren wir in den vierten Stock und ich betrachtete in der kommenden Stunde das luxuriöseste Apartment, das ich in meinem Leben jemals gesehen hatte. Ich tat sehr interessiert und schlug verschiedene „Verbesserungen“ vor. So meinte ich, die Wand zwischen Küche und Wohnzimmer müsse weg und auf den Balkon könne man einen Whirpool stellen. Der Makler war Feuer und Flamme. Ich versicherte ihm, ich würde am Montag kommen, um die Papiere zu unterschreiben.

Als wir die Wohnung verließen und wieder an der Straße standen, kam ein vornehm aussehender Herr auf uns zu. „Guten Tag, ich bin Herr Schneider“, stellte er sich vor. Im Nachhinein tut mir der Makler leid, aber der Schock in seinen Augen entschädigte mich in diesem Augenblick für meine katastrophale Wohnungssuche.

Von Rainer M.