Siesta, bitte!

Manchmal weiß man einfach nicht, was man tut! Normalerweise macht man einmal etwas richtig, ein andermal falsch. Hin und wieder kommt sich aber auch jeder so vor, als ob hier ein anderer Mensch die Zügel in der Hand hielte und man selbst quasi richtig machtlos neben sich stünde! Wenn das passiert, dann fühlt man sich, wie als ob Einem da ein Zombie im Spiegelbild entgegenschauen täte … .

Natürlich beeinträchtigen Faktoren wie guter oder schlechter Schlaf, Ernährung sowie das persönliche Umfeld stark die eigene Stimmung wie ebenfalls die Selbstwahrnehmung. Dennoch sind die eigene Persönlichkeit genauso wie viele weitere Faktoren gleichermaßen daran beteiligt! Ein altes Sprichwort besagt “Man ist, was man isst!”, trotzdem ist die Einstellung, welche man selber zum Leben einnimmt, nicht minder bedeutsam für den Einzelnen als die Ernährung.

“Sag’ einmal, wo bist Du gerade?” – “Äh, ich? Wo soll ich schon sein? Hier bin ich natürlich!” Man kann zwar anwesend sein, doch trotzdem geistig meilenweit entfernt sein! Viele Leute kennen das Gefühl, “nicht ganz bei der Sache” zu sein. Nicht immer muss die vorübergehende geistige Abwesenheit unliebsame Folgen nach sich ziehen, dennoch, wäre es nicht möglicherweise ein Fehler, stets völlig unkonzentriert umherzuschweifen?

Immer nur “voll dabei” zu sein, ist andererseits schier unmöglich, da der Mensch ja bekanntlich seine wohlverdienten Ruhepausen regelmäßig in Anspruch nehmen muss, wenn er auch in Zukunft gesund und munter bleiben will! Wiederum sollte das nicht heißen, der Mensch wäre im Allgemeinen den ganzen Tag lang ausschließlich mit Ausruhen zufrieden.
Konzentration bringt Anspannung und Stress mit sich.

Entspannung hingegen entlastet Körper und Geist. Ein bisschen Konzentration im Alltag ist schier unumgänglich, sonst geht einfach viel zu viel mangels guter Planung schief! Häufige Ruhepausen während der Arbeit sind daher eine wirklich gute Idee, nur wie überzeugt man denn den eigenen Boss bloß, komfortable Ruheräume in unmittelbarer Nähe zum Arbeitsplatz zu schaffen? – Hier sind die Südländer mit ihrer Siesta, oder ähnlichen Bräuchen, den hiesigen Arbeitnehmern offenbar noch weit voraus! Würde eine flexiblere Ruhezeit nicht auch den deutschen Angestellten sehr gut stehen?

Die Sonne geht auf. Ein klitzekleiner Sonnenstrahl kitzelt die Nase von Katy. Noch schläft sie, doch einen Augenblick später niest sie plötzlich laut los und wird von ihrem eigenen Nieser abrupt geweckt! Während sich ihr Kopf vom schnellen Wachwerden dreht, merkt sie langsam, dass sie in Wirklichkeit gar nicht zu Hause ist, sondern im Urlaub, Tausende von Kilometern weit weg von Hektik, Stress und Lärm. Da fängt sie an, zu lächeln!

Der paradisische kleine Ort in der Südsee, umringt von blauem Wasser, sauberen Sandstränden und Kokosnusspalmen war ihr von einem neuen Mitarbeiter im örtlichen Reisebüro empfohlen worden: “Dort war ich letztes Jahr, und Sie können mir glauben, da haben Sie völlige Ruhe, weil es einfach keinen Massentourismus in dieser Gegend gibt!”.

Natürlich hat ihr Handy vor Ort keinen Enpfang, Strom gibt es nur stundenweise, und der nächste PC ist kilometerweit entfernt, aber gäbe es all jene technischen Spielereien hier, wie sonst überall auch, wer würde sich dann an diesem Ort überhaupt richtig erholen können?

Der klasische Urlauber jedenfalls würde sich hier nicht recht wohlfühlen: kein Kühlschrank, dafür nur frisches Essen, keine Klimaanlage, dafür Hütten aus leichtem Schilf usw. … . Luxus ist das nicht, dafür jedoch Entspannung pur: Die Last, immer und überall erreichbar zu sein, existiert hier schlicht und einfach nicht!

Die Frage, die sich Katy am Ende ihres Urlaubs wohl stellen wird, lautet: “Warum muss ich überhaupt wieder zurück ins strenge und stressige Deutschland?”. Die Antwort darauf ist hingegen simpel: In Deutschland verdient sie so viel, dass sie theorethisch jedes Jahr zweimal in den Urlaub fahren könnte, wenn nur ihr Chef das zuließe! Daher heißt es nunmal: In Deutschland arbeiten und einmal im Jahr versuchen, dem Stress zu entfliehen.

Die Einwohner dieses kleinen Dorfes in der Südsee wohnen zwar sprichwörtlich im Paradies, Urlaub in ferne Länder werden sie sich, mit Ausnahme des Bürgermeisters, welchem fast alle Feriendomizile hier auf der Insel gehören, wohl aber nie leisten können!