Der Begriff der “modernen Immobilie” ist mit einem Definitionsproblem behaftet:

Versteht man unter einer modernen Immobilie ein zwar klimafreundliches, dafür aber scheußliches Zweckgebäude? – Nicht überall: Berliner Makler werden derzeit nicht müde, bruchreife Häuser in schlecht beleumundeten Stadtteilen als absolut modern anzupreisen, da Galerien und Werbeagenturen dort Fuß gefasst haben und die indigene Bevölkerung zu verdrängen beginnen, was zwar nicht zu einer Sanierung der Gebäude, immerhin aber zu einer Erhöhung der Mieten führt.
Modern kann also auch einfach nur bedeuten, in angeblich künstlerischer Umgebung viel zu teuer zu leben.

Ebenfalls als modern gilt es, in einem sogenannten Loft zu leben. Kaum ein Prominenter verzichtet in einer Home-Story darauf, permanent die Vorzüge seines oder ihres Lofts hervorzuheben: Wie kreativ dieses herrliche Umfeld doch sei und wie sehr man vor Allem als Seriendarsteller im Vorabendprogramm diese hohen Decken doch brauche, um so richtig kreativ zu sein. Modern = Loft = Anders = Kreativ = Erfolgreich, scheint die Formel ins Fernsehglück zu sein.

Der Verfasser dieser Zeilen lebt seit einiger Zeit ebenfalls in einem Loft, allerdings nicht, um Schauspieler zu werden, sondern weil es einfach geräumig und günstig ist. Als modern möchte ich es indes nicht bezeichnen, wenn man die Heizkosten kaum bezahlen kann und bei jedem stärkeren Regenguss der Fernsehempfang nebst Telefon und Internet zusammenbricht. Persönlich ziehe ich es einem scheußlichen emissionsarmen Neubau zwar vor, aber die Entscheidung liegt bei Ihnen selbst, lieber Leser und liebe Leserin. Nur von Berlin Kreuzberg würde ich eher abraten.