Archive for Juli, 2011

Lustige Baugeschichte

Auf meinen Reisen durch die ganze Welt sind mir schon viele lustige und vor allen Dingen seltsame Bauarten untergekommen. So wird in südlichen Ländern gerne vorausschauend geplant und der Bau so konzipiert, dass jederzeit eine weitere Etage auf das bereits vorhandene Haus aufgesetzt werden kann. Man weiß ja nie, welche Ausmaße die Familie annimmt und ob nicht Oma und Opa irgendwann auch noch einziehen wollen.

In Europa sieht das ein wenig anders aus. Vor allen Dingen in den Ballungsgebieten. So zum Beispiel in London. Wer die Stadt einmal besucht hat, wird eine Sache sehr schnell registriert haben: Hier ist kein Platz. Schmale Straßen, vollgebaut und zugeparkt. Jede noch so kleine Lücke wird hier genutzt. Bei meinem letzten Besuch viel mir eine gerade in Sanierung befindliche Haushälfte besonders auf. Denn hier schlug das Platzproblem mit voller Wucht zu. Da auf der Straße oder im Garten des Hauses kein Platz für den Kran war, hatte man diesen kurzerhand auf dem Haus montiert. Wie auch immer dies funktioniert hat. Alles sah sehr abenteuerlich aus. Der Kran ragte deutlich über die Häuser hinaus und garantierte sicherlich eine wunderbare Aussicht. Wie allerdings der Kranführer zu dieser probesorischen Aufstellung seines Arbeitsmaterials stand, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

In diesem Sinne: Er die deutsche Bauweise noch nicht schätzen kann, sollte einmal die Welt bereisen. Er wird dann schnell feststellen, dass nichts über diese deutsche Art des Bauens geht.

Nachdem ich in Deutschland schon ewig auf Jobsuche war, beschloss ich, dass ich mein Glück auch im benachbarten Ausland versuchen wollte. Gesagt, getan. Ich bewarb mich also auf einige Stellen in den Niederlanden, Österreich und der Schweiz und sollte Glück haben. Nach einem persönlichen Gespräch mit meinem neuen Arbeitgeber in den Niederlanden hatte ich also endlich wieder einen Job gefunden. Dass ich dazu einen internationalen Umzug in Kauf nehmen musste, störte mich wenig, denn ich wollte schon lange mal raus und etwas Neues erleben. Als erstes schaute ich im Internet nach einer preiswerten Wohnung und wurde auch ziemlich schnell fündig. Nachdem nun alles geklärt war, beauftragte ich ein Umzugsunternehmen, da ich mir den Stress der Eigenorganisation ersparen wollte. Es sollte sich allerdings herausstellen, dass das ein großer Fehler war.

Anfangs lief alles wie geplant: Die Umzugshelfer und der LKW standen pünktlich um 9 Uhr vor meiner Tür und den Großteil meiner Sachen hatte ich auch schon in Kisten verstaut. Schnell waren diese samt meinen Möbeln im Umzugswagen verstaut und es ging los. Ich gab dem Fahrer die Adresse und fuhr mit meinem Auto schon mal vor. Nach vier Stunden Fahrt kam ich in meiner neuen Wohnung an und hatte dank des zeitlichen Vorsprungs noch Zeit, die Wohnung schon mal gedanklich einzurichten, damit das Ausladen schnell vonstatten gehen würde. Dann begann die Zeit des Wartes auf den Rest meiner Sachen.

Nach drei Stunden rief ich den Fahrer auf dem Handy an und fragte, wo sie denn bleiben würden. Dieser teilte mir dann mit, dass sie auf der Autobahn eine Reifenpanne haben und heute nicht mehr kommen. „Na prima“, dachte ich mir, „soll ich die Nacht etwa auf dem Fußboden ohne Decke schlafen?“ Ich nahm all meinen Mut zusammen, klingelte bei meinen neuen Nachbarn und versuchte ihnen zu erklären, was mir passiert ist. Sie baten mich in ihre Wohnung und boten mir einen Schlafplatz auf dem Sofa, den ich dankbar annahm. Am nächsten Tag kamen dann endlich meine Möbel und meine Nachbarn halfen sogar bei Ausladen. Erschöpft von den Strapazen der letzten Tage sank ich am Abend in meinen Fernsehsessel und war froh, dass ich nun endlich etwas Zeit zum Ausruhen hatte.

Armin V.