Archive for Januar, 2011

Wohnungskauf Geschichte

“Die Eigentümergemeinschaft ist eigentlich ganz nett”, sagte der Makler, nachdem er die Tür zu dem anheimelnden Wohnkomplex mit dem herben Charme der ausgehenden 70er-Jahre aufgeschlossen hatte. Noch ein missbilligender Blick auf unseren Kinderwagen und die Gardine am Fenster unserer zukünftigen Nachbarin wurde zugezogen.

“Wenn man sie näher kennt”, schob der Makler nach und forderte uns auf, die Fußmatte zu benutzen, bevor wir das Allerheiligste betraten.

“Die Größe des Kinderzimmers wurde nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen exakt dem Bedarf von Kindern angepasst”, kommentierte der Makler den spitzen Schrei des Entzückens meiner Frau, die gerade den begehbaren Schrank entdeckt hatte.

“Ein wahres Wunder der Raumaufteilung”, schmeichelte der Makler beim Öffnen der Nasszelle, die im Erstentwurf des Architekten vermutlich noch nicht vorgesehen war.

“Im Sommer ist es schön bunt hier”, mit sichtbarem Stolz präsentierte uns der Makler einer Art Terrasse, die mit einem Resopalstuhl und ein paar Blumenkästen mit verwelkten Hortensien im Nieselregen glänzte. Ohne den Stuhl hätte hier ein Einweggrill prima Platz.

“Im Schlafzimmer verbringt man seine Zeit ohnehin im Liegen”, raunte der Makler wissend, als meine Frau den Notfallkoffer aus dem Auto holte, um die Erstversorgung meiner Platzwunde vorzunehmen, die ich mir an der Dachschräge zugezogen hatte.

“Ach ja, die Flurwoche nicht vergessen. Und die Bankverbindung für meine Provision steht auf der Karte”, rief der Makler uns hinterher, als wir in olympiaverdächtigem Tempo die Treppenstufen nahmen.

Die Eigentumswohnung haben wir jetzt erst mal nach hinten gestellt. Dann doch lieber Miete zahlen und einen Garten kaufen.

Ferienimmobilien Geschichte

Ich steige ins Auto und fahre zur Uni.

Muss meine Freundin abholen und darf dann 750 km in ein kleines verschlafenes Dörfchen
in Baden-Württemberg brettern. Auf die Hochzeit Ihrer besten Freundin, die natürlich am gleichen Tag stattfinden muss. In Gedanken stelle ich mir schon eine Truppe Trachtenträger vor, die mit Ihrer Dorfkapelle den nächsten Trauerfall auf den eigenen Hof musizieren. Nee, Hochzeit, so war’s.

Nach einigen Streits auf der Autobahn wird auch das Radio nicht mehr eingeschaltet. Meine Freundin redet seit zehn Minuten. Ich höre nicht hin. Schaue aus dem Fenster und mir erscheint das Abfahrtsschild.
Klingt nach Ausland. Meine Stimmung könnte nicht besser sein.

Nachdem wir nach geschlagenen zwei Stunden – durch die Braut per Telefon navigiert – an unserer Ferienwohung angekommen waren, empfing uns ein schönes Bauwerk mit einladendem Garten.
Wir bezogen unser schmuckes Büdchen und richteten das zweite Zimmer für zwei weitere mir unbekannte Gäste der Hochzeit her.
Wurden uns von der Braut auf’s Auge gedrückt.
Wohl wegen der langen Telefoniererei.

Diese kamen auch alsbald, ich saß auf dem Lokus. Groß.
Die Stimmen machten mich nervöus und ich brach ab.
Spülung gedrückt und schnell Hände gewaschen.

Beim Herumdrehen trat ich in eine große Pfütze. Es roch nicht gut. Ich schrie nach meiner Freundin.
Sie dachte ich werde älter wie der Mann in der Fernsehwerbung, der so doof schreit.

Beim Ihrem Hereinkommen war klar, dass Sie die 750 km zurückfahren würde.
Direkt. Und ohne Hochzeit.